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last update: 01/12/2004
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mit freundlicher Unterstützung von Wildcat.de

Feature-Artikel von Wildcat.de:

Neues BodyArt Magazin "Expand #1" erschienen!
(von: EXPAND-MAGAZIN )

EXPAND - Das Wildcat Magazin ist am 16. November 2004 erschienen und enthält 16 Seiten. Die nächste Ausgabe erscheint Mitte Januar 2005.
In diesem Magazin wird Bodyart ausführlich und leicht verständlich erklärt. Es enthält u.a. interessante Artikel über das Phuket-Festival, Scarification, das neue PiercingStudio Wildcat München oder den Film "Flammend' Herz".

Hier könnt ihr das aktuelle Wildcat Expand Magazin ganz einfach bestellen. Die Schutzgebühr beträgt 3,00 EUR inkl. aller Versandkosten.


Einen kleinen Einblick könnt ihr aber schon hier genießen:


Scarification
Wahrscheinlich ist Scarification (das Anbringen von Schmucknarben) nicht nur eine der intensivsten Formen der Body Modification, sondern nach Piercing und Tattoo auch die am meisten verbreitete und beliebteste Art den Körper zu verzieren. Mit Sicherheit ist Scarification aber die älteste Form der Body-Modification. Oberflächlich betrachtet ist es ja auch die einfachste Art seinen Körper zu zieren und zu kennzeichnen - braucht es doch keine körperverträglichen Farben, Maschinen, Nadeln oder sonstiges besonderes Wissen sich eine Narbe zuzufügen.

Scarification ist also die natürlichste Form des Körperschmucks, da der Körper selbst den Schmuck – die Narbe - produziert, ohne dass Fremdkörper wie Tattoofarbe oder Schmuck benutzt werden. Kennt man bei verschiedenen Naturvölkern (z.B. Afrikas) Narben als Schmuck oder Kennzeichnung der Zugehörigkeit zu einem Clan oder einer Gruppe, sind uns in der westlichen Kultur Narben nur von Verletzungen her bekannt – sicher hat sogar fast jeder eine Narbe, ist also schon „verziert“. Allerdings geht es bei der Scarification nicht um Narben von Platzwunden am Kopf oder Schnitten, die bis auf den Knochen gehen sondern um kunstvolle Verzierung der Haut. Diese kunstvollen Narben der "Modern Primitives" brauchen neben einem ganzen Schwung Erfahrung auch anatomisches Wissen und vor allem steriles und ordentliches Arbeiten um das gewünschte Ergebnis eines "gesunden" Narben-Motives zu erreichen.

Im wesentlichen gibt es zwei Arten Scarifications zu erzeugen; das Schneiden (Cutting) und Brennen (Branding).

Das Ergebnis –die Narbe- hängt selbstverständlich stark von der Art der Wunde und der Technik mit der sie geschaffen wurde ab -allerdings bleibt jeder Scarification etwas natürliches und ursprüngliches– denn die Narbenbildung und das Narben-Bild lässt sich nicht mit der Präzision eines Tattoos vergleichen, welches ja größtenteils exakt planbar und filigran auszuführen ist. Bevor wir aber zu den verschiedenen Möglichkeiten des Anbringens einer Narbe kommen (Cutting, Branding ...) möchten wir kurz auf die Narbenbildung der Haut allgemein eingehen - es ist wichtig die Grundlage zu kennen um das Ergebnis planen und verstehen zu können.

Die Haut ist der äußere Schutzmantel des Körpers gegen die Außenwelt und ist in mehreren Schichten aufgebaut. Kommt es zu einer Verletzung der Haut, setzt der Körper also alles in Bewegung um dieses "Loch" im Schutzmantel zu stopfen. Wird nur die äußerste Hautschicht verletzt heilt die Haut spurlos, nur bei tieferen Verletzungen die bis zur Lederhaut und der Unterhaut reichen bilden sich Narben.

Die Wundheilung verläuft in mehreren Phasen, zunächst bildet sich im Wundbereich ein sehr zellreiches Bindegewebe, das zahlreiche Gefäßsprossen enthält (Granulationsgewebe). Vom Wundrand her wächst dann die Regenerationsschicht der Oberhaut (Stratum Germinativum), danach setzt die Verhornung ein und die Wunde ist geschlossen, die Narbe gebildet. Vermehrt man nun gezielt das Granulationsgewebe durch beabsichtigte Verzögerungen der Wundheilung, kommt es an der verletzten Stelle zur gewünschten und vermehrten Narbenbildung.

Das Narbengewebe bildet sich allerdings nicht nur gleichmäßig und analog zur Art, Tiefe und Größe der Wunde sondern auch entsprechend der Behandlung und Bedingungen während der Wundheilung. Jeder kennt Narben, die an manchen Stellen dicker oder breiter ausgeprägt sind als an anderen Stellen, die Ursache ist nicht immer eine entsprechend geformte Wunde. Stellt man sich eine Narbe vom Bauchnabel zur Außenseite des Oberschenkels vor, würde sich diese z.B. beim Laufen unterschiedlich bewegen. Einige Teile der Narbe würden gedehnt, andere zusammengepresst und wieder andere bewegten sich gar nicht. Bei einer "natürlichen" oder OP-Wunde würde das dazu führen, das die verheilte Narbe wegen der sehr unterschiedlichen "Beanspruchung" der Haut während des Heilungsprozesses ungleichmäßig und uneben ist. Bei einer gezielten Scarification muss also dieser stufenweise Übergang der Hautunterschiede (Hautspannung und Dicke) mit der jeweils angewendeten Technik ausgeglichen werden.

Die Abheilung und Behandlung der noch frischen Wunde sind ohne Zweifel der wichtigste Part einer Scarification, denn hier liegt das „Geheimnis“ prächtiger und gelungener Narben. Zuerst möchten wir aber mit einem wilden Gerücht diesbezüglich aufräumen. So wird oft behauptet, das Einreiben von Tattoo-Farben in die Wunde (das sog. Ink Rubbing) würde kräftige farbige Narben ergeben – so besagt die Theorie das die Farbe wie bei einem Tattoo durch das neu gebildete Gewebe eingeschlossen wird. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Farbe recht effektiv durch den Wundheilungsprozess als Fremdstoff vom Körper nach außen getragen wird.Jede frische Scarification

muss mit großer Sorgfalt behandelt werden, da dem Körper eine ziemlich große Verletzung zugefügt wurde und man die Wundheilung absichtlich verzögern muss um möglichst schöne und deutliche Narben zu erhalten. Die frische Wunde sollte immer nur mit sauberen Händen angefasst werden und während der Abheilphase sollte auf penibelste Hygiene im Allgemeinen geachtet werden. Nach dem Schneiden oder Brennen sollte man die Wunde verkrusten lassen und um die Heilung zu verzögern ist es angebracht die Wunde unter sauberen Bedingungen kontrolliert zu reizen. Je nach Art, Dauer und Intensität ergeben sich dann verschieden gute Narbenergebnisse. Je länger und intensiver die Reiz>
Diese „Pflege“ der Scarification erfolgt so lange sich neue Krusten bilden, die man entfernen kann. Das dauert in der Regel drei bis sechs Wochen in dieser Zeit bilden sich die Narben vollständig. Zu Beginn sind die meisten Narben noch tief, werden jedoch mit der Zeit immer höher bis sie sich schließlich zu schönen erhabenen Narben entwickelt haben – den so genannten Keloid-Narben. Diese Transformation des Narbengewebes kann bis zu einem halben Jahr und länger dauern. Die Narbenbildung wird von einem mehr oder weniger starkem Juckreiz begleitet, ähnlich dem Juckreiz eines verheilenden Tattoos.

Der Schmerz eint fast alle Bodymodifications und modernen Körperschmuck-Formen doch sei gesagt, dass Scarification für viele Außenstehende furchtbar schmerzhaft und brutal aussehen mag, der eigentliche Schmerz des Schneidens oder Brennens nicht viel höher als der des Tätowieren ist. Auch wenn Schmerzempfinden immer eine subjektive Angelegenheit ist wollen wir es hier nicht unerwähnt lassen.

Das Wichtigste allerdings gilt in Bezug auf Scarification noch mehr als bei allen anderen Formen des Körperschmucks, der Kunde sollte sich vorher genau über die Fertigkeiten des Künstlers informieren und sich auch ein Portfolio von Arbeiten zeigen lassen in dem sich auch Bilder der Abheilung und vor allem auch der verheilten Arbeiten finden. Jemanden mit einem Skalpell oder glühenden Eisen an seinem Körper arbeiten zu lassen erfordert viel Vertrauen. Ausführliche Beratungsgespräche, detaillierte Aufklärung und Planung des Motivs sind im Vorfeld auf jeden Fall notwendig und sollten nicht zu kurz kommen. Scarification ist und bleibt eine der intensivsten und intimsten Erfahrung, die man machen kann.

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